Wann lohnt sich eine Therapie?
Hierzu greift man auf einen gesundheitsökonomischen Bewertungsmaßstab zurück:
das QALY (quality adjusted life year). Im Prinzip ist die Rechnung einfach:
- Der Zugewinn an Lebenszeit um ein Jahr durch eine Therapie, die dem Patienten volle Lebensqualität bringt, wird als ein QALY gerechnet. Verlängert aber eine Therapie das Leben eines Patienten um ein Jahr bei halbierter Lebensqualität, hat die Therapie nur 0,5 QALY erbracht. Nun kann man berechnen, wie teuer durch eine bestimmte Therapie der Zugewinn von einem QALY erkauft wurde.
- Das Ganze erfolgt nicht individuell, sondern in Studien. Die klären dann etwa die Frage, um wie viel Zeit ein Patient in einem definierten Tumorstadium länger lebt, wenn er eine teure Chemotherapie erhält. Die Lebensqualität der dazu gewonnenen Zeit wird anhand standardisierter Erfassungsbögen „gemessen“.
- Schon dies zeigt, wie problematisch das Konzept ist. Denn hier werden nicht vom Patienten selbst gesetzte, sondern von außen definierte Maßstäbe zur Bemessung der Lebensqualität angewandt. Trotzdem liegen bereits zahlreiche Studien zur Lebensqualitätsmessung bei schweren Krankheiten und teuren Therapien vor.
- Doch mit diesen Studien kann der Sachbearbeiter in der Krankenkasse wenig anfangen. Er braucht eine Anleitung, um das individuelle „Preis-Leistungs Verhältnis” für eine teure Therapie zu prüfen. Und genau das sollen die kostensensiblen Leitlinien ermöglichen. Anhand solcher Leitlinien kann dann die Kasse schnell und objektiv entscheiden, ob bei einem Patienten die Therapie lohnt.
- Die Kasse zahlt dann, wenn das erzielte QALY nicht wesentlich teurer ist als 50.000 Euro oder etwa ein Brutto-Jahresdurchschnittsgehalt.
- Das ist der Kostenrahmen, den Gesundheitsökonomen für angemessen halten. Was teurer werden könnte, wird abgelehnt. (oder muss erstritten werden)

