Ribavirin und Serummessung
Wenn ein Patient ein 4-wöchiges Ribavirin- Lead-In durchsetzen kann und von vorneherein gemäß Entwurf der Leitlinie dosiert wird, ist die Fragestellung der RBV-Serummessung gewöhnlich nicht unbedingt nötig. Bei der Blutentnahme nach den Ersten 4 Wochen wird sich i.d.R. ein deutlicher HB- Abfall eingestellt haben – das Labor-Ergebnis trifft i.d.R. ein paar Tage nach der 1. IFN- Injektion schon ein.
Sollte jedoch kein sehr ausgeprägter HB-Abfall zu verzeichnen sein, ist eine Ribavirin-Serummessung äußerst sinnvoll, um die individuelle Bioverfügbarkeit zu überprüfen. Denn dann besteht immer noch die Möglichkeit (und ausreichend Zeit), um die Ribavirin-Dosierung entsprechend zu erhöhen.
- Leider sind diese Ansätze (HB-Abfall, Ribavirin- Serumbestimmung und RBV-Lead-In) noch nicht in die (neuen) Leitlinien aufgenommen worden...
... da stellt sich manchem sicher schon die Frage: Warum nicht?
In vielen Kommentaren zum Entwurf neuer Leitlinie steht von führenden Hepatologen der Hinweis, dass diese Leitlinie deutlich komplizierter und komplexer geworden ist. Das mag vom Hausarzt und Allgemeinmediziner so empfunden werden, die ja unendlich viele andere Krankheitsbilder und Therapiansätze im Kopf haben bzw. nachlesen müssen. Für Leute, die sich intensiver damit auseinandersetzen, ist die Leitlinie deutlich nachvollziehbarer, „runder" und logischer geworden. Diese Leitlinien werden erstellt, um dem nicht so im Thema steckenden Allgemeinmediziner / Gastroenterologen einen Überblick zu verschaffen, wie die durchschnittliche Therapie erfolgreich verlaufen kann – unter Berücksichtigung der o.g. Einfachheit und natürlich auch der Kosten.
Was ist aber mit den Slow- und Nonrespondern? Das Problem liegt doch darin, dass kein Patient (und auch kein Arzt) zu Beginn der Therapie wissen kann, zu welcher Gruppe von Therapie-Ansprechern er gehören wird. Ist man erst mal mit einem HCV-RNA-positiven Ergebnis aus W12 zum Slow- Responder geworden, werden Korrekturen immer schwieriger bzw. aufgrund des enger werdenden Zeitfensters fast unmöglich... Das kann doch logischerweise nur erfordern, bei jedem Patienten von vorneherein die optimalen Möglichkeiten zu nutzen wozu eine zu Beginn der Therapie hohe Dosierung des Ribavin unabdingbar sein sollte
Gemäß Entwurf der neuen Leitlinie kann im Einzelfall Erythropoetin (EPO) verabreicht werden. EPO ist ein Wachstumsfaktor zur Steigerung der Produktion roter Blutkörperchen (Erythrozyten) und fördert den Sauerstofftransport im Blutkreislauf. Nebenwirkungen wie Schwindelgefühl, Tinitus, Konzentrations- und Leistungsschwäche kann mit EPO entgegengewirkt werden.
- Warum führen viele an der Entstehung von Leitlinien beteiligten Fachärzte bei ihren eigenen Patienten routinemäßig das Lead-In durch?
- Warum verändern eben diese vorgenannten Fachleute die Therapiedauer bei ihren eigenen Patienten individuell und passen sie der Viruskinetik an?
- Warum nutzen einige die Möglichkeit der RBV-Serummessung, um die Dosierung weiter optimieren zu können?
Eben! Weil sich diese Fachärzte mit diesen Themen sehr viel intensiver auseinandersetzen, als dies ein „normaler" Arzt mit 2 oder 3 Hepatitis- Patienten pro Jahr jemals tun kann.
Die Bedeutung dessen liegt klar auf der Hand Vor der Therapie sollte sich jeder sehr gut informieren und die Therapie nur bei einem absolut erfahrenden Facharzt der Hepatologie durchführen. Gerade auch bei einer Behandlung mit den seit 2011 neu auf dem Markt zugelassenen Medikamenten.


