Hirnleistungsstörungen, Ängste und Depressionen

Leistungsminderung sowie seelisch-psychische Probleme. Früher hatte man diese Beschwerden meist einfach mit dem Vorhandensein einer chronischen Lebererkrankung erklärt. Heute macht man hingegen zumindest zum Teil Schäden an Nerven und Gehirn durch das HCV für diese Probleme verantwortlich. Hirnleistungsstörungen, Ängste und Depressionen sind bei Patienten mit Hepatitis C häufiger als bei Kontrollpersonen ohne Hepatitis C. Psychologische Veränderung, Hirnleistungsstörungen, Ängste und Depressionen sind zwar auch bei anderen chronischen Krankheiten gehäuft zu finden. Sie sind dort aber seltener als bei chronischer Hepatitis C.

  • Die Hirnleistungsstörungen können auch bei Hepatitis C-Patienten auftreten die keine messbare Leberfunktionstörung haben: Diese Hirnfunktionsstörungen sind also nicht ohne Weiteres durch die Lebererkrankung zu erklären. Eine vor kurzem erschienene Studie hat mit Hilfe der Protonen-Kernspin-Spektroskopie gezeigt, dass das HCV zu Hirnveränderungen führen kann, die nicht durch die Schwere der Lebererkrankung oder einen vorangegangenen Drogenkonsum erklärt werden können und somit möglicherweise eine direkte Schädigung durch das HCV sind.
  • Die in der Protonen Kernspin-Spektroskopie gesehenen Veränderungen waren mit einer Störung der Hirnfunktion verbunden. Weitere Untersuchungen zeigen zudem, dass es auch im Zentralnervensystem (Gehirn) eine Vaskulitis (Entzündung der Blutgefäße, die die Nerven versorgen) gibt, ähnlich wie die seit längerem bekannte Vaskulitis an peripheren Nerven (z.B. an Armen und Beinen) . Eine solche Vaskulitis der hirnversorgenden Blutgefäße kann über eine Verschlechterung der Sauerstoffversorgung zu schweren Hirnschäden bis hin zu Hirnschlag und Lähmung führen.
  • In den wenigen vorliegenden Fallberichten wurde diese Form der Vaskulitis mit immunsuppressiven Medikamenten (also mit Cortison und ähnlichen Medikamenten erfolgreich behandelt. Über den Stellenwert einer antiviralen Therapie in dieser Situation ist nichts bekannt. Drei Untersuchungen an je zwei bis drei Hepatitis C-Patienten mit nachgewiesener Hirnbeteiligung zeigten, dass bei allen Patienten gleichzeitig eine Kryoglobulinämie vorlag.

 

Seelisch-psychische Erkrankungen: Patienten mit Hepatitis C haben gehäuft Depressionen und Angststörungen. Neuere Untersuchungen zeigen zudem, dass diese seelischen Probleme nicht oder nicht nur durch das Vorliegen einer chronischen Krankheit erklärbar sind, da Patienten mit anderen chronischen Krankheiten weniger schwere und weniger häufig psychische Probleme haben als Patienten mit chronischer Hepatitis C. Besonders häufig sind die seelischen Probleme bei Patienten, die in der Vorgeschichte i.v. Drogen genommen haben; seelische Störungen treten aber auch ohne früheren Drogenkonsum auf. Eine erfolgreiche antivirale Therapie bessert die psychischen Probleme langfristig, kann aber während der Therapie die Depressionen und Ängste noch verstärken. Patienten mit seelischen Problemen sollten während einer Interferon-Therapie unbedingt fachpsychiatrisch betreut werden.

Eine kürzliche erschienene Untersuchung an Patienten mit Hepatitis- C zeigte, dass:

  • 38% der Patienten an (meist depressiven) Stimmungsschwankungen litten,
  • 30% an Persönlichkeitsstörungen,
  • 19% an einem posttraumatischen Stress,
  • 9% an weiteren Angststörungen und
  • 17% an Psychosen. Nur etwa ein Viertel der Patienten hatte eine Drogenkarriere hinter sich, so dass diese Tatsache die psychischen Probleme nur bei einigen Patienten und nur zum Teil erklären kann.

Fazit: Es wird immer deutlicher, dass die HCV-Infektion das Gehirns beeinträchtig. Etwa die Hälfte der HCV- infizierten Patienten klagen über chronische Müdigkeit, unabhängig vom Stadium ihrer Lebererkrankung oder Virusreplikation. Selbst nach einer erfolgreichen antiviralen Therapie besteht bei etwa ein Drittel der Patienten Müdigkeit weiterhin. Viele Patienten berichten von Defiziten in der Aufmerksamkeit, Konzentration und dem Gedächtnis, einige auch von Depressionen. Quelle: Lebenszeichen / Magazin der Deutschen Leberhilfe e.V. Sonderheft "Hepatitis C", S. 32 ff