Hepatitis C – sind genetische Voraussetzungen entscheidend?
Der Erfolg einer Interferon(IFN)-alfa-Ribavirin-Therapie
bei chronischer Hepatitis CVirus(HCV)- Infektion wird
maßgeblich von viralen Faktoren wie z. B. HCV-Genotyp,
initiale Viruslast und Viruskinetik unter Behandlung
sowie epidemiologischen und klinischen Wirtsfaktoren wie
z. B. Alter, Geschlecht, Ethnizität und Ausmaß der
vorliegenden Leberschädigung beeinflusst. Eine
individualisierte Therapiestrategie, die diese Faktoren
berücksichtigt, ist daher von entscheidender Bedeutung
für den Erfolg dieser oftmals nebenwirkungsreichen und
kostenintensiven Therapie.
Schon lange wird allerdings vermutet, dass genetische
Varianten im Wirtsgenom, also dem Genom des Infizierten,
einen Einfluss auf den Verlauf und das
Therapieansprechen einer HCV-Infektion haben könnten.
Zwar konnten bereits einige SNPs, insbesondere in Genen
von Faktoren des angeborenen Immunsystems, mit dem
individuellen Verlauf einer HCV-Infektion und der
Therapieresponse assoziiert werden, diese wurden aber
bisher nicht ernsthaft in die Therapieplanung
einbezogen.
Besonders bemerkenswert erscheint uns, dass die in den
aktuellen Studien durchgeführten Regressionsanalysen
eindrucksvoll belegen, dass mit den IL28B
Genpolymorphismen erstmals genetische Wirtsfaktoren mit
einem mutmaßlichen Einfluss auf die angeborene
antivirale Immunität identifiziert wurden, die die
etablierten „klassischen“ epidemiologischen und
klinischen Wirtsfaktoren Alter, Geschlecht, Ethnizität
und Fibrosegrad bezüglich ihrer Assoziation mit dem
natürlichen und therapieinduzierten Verlauf einer
HCV-Infektion bei weitem übertreffen. Aufgrund dieser
überzeugenden Daten erscheint es sehr wahrscheinlich,
dass in Zukunft die IL28B Genotypisierung als
prädiktiver genetischer Parameter einen substantiellen
Einfluss auf die Risikostratifizierung und den Therapie
Algorithmus sowohl bei Patienten mit akuter als auch
chronischer HCV-Infektion haben wird. Es bleibt
abzuwarten, ob die in absehbarer Zukunft verfügbaren
HCV-Protease-Inhibitoren oder der Einsatz von IFN-Lambda
das erhöhte Risiko eines Therapieversagens einer
IFN-alfa-basierten Standard Kombinationstherapie bei
IL28B Risiko-Allelträgern kompensieren können....“
Quelle
Fazit: Abnorme ALT-Werte während der PegIFN+Ribavirin-Therapie sind relativ häufig zu beobachten, auch bei Patienten ohne nachweisbare HCV-RNA. Direkte oder indirekte Beteiligung der unterschiedlichen Interferone wird als eine mögliche Ursache angesehen...

