Ein paar Gedanken zur Therapieentscheidung
Es gibt viele Hep-C Betroffene mit GT 1, die auf die Zulassung der neuen Medikamente warten, weil sie ehemalige Non- Responder sind und teilweise bereits mehrere Kombi-Therapien erfolglos hinter sich haben. Dann gibt es die Betroffenen mit ähnlichen Voraussetzungen, aber mit z.B. GT 3, die diese Chance auf eine RE-Therapie wahrscheinlich erst in mehreren Jahren haben werden, wenn hoffentlich Polymerase- und/oder Cyclophilininhibitoren zugelassen werden. Ferner gibt es Betroffene, die aufgrund anderer schwerwiegender Krankheiten (=Kontraindikationen) die antivirale Therapie nicht machen können.
Es gibt aber noch eine weitere Gruppe von Betroffenen,
nämlich diejenigen, die trotz guter Therapiemöglichkeit eine Therapie Jahr für Jahr vor sich herschieben bzw. das Thema Hep-C mehr oder weniger erfolgreich verdrängen. Für die letztgenannte Gruppe ist dieser Beitrag gedacht:
Und es gibt unendlich viele Gründe, eine Therapie zu verschieben:
Familiäre Gründe, Sorge um den Arbeitsplatz, finanzielle Nöte, psychische Probleme u.v.a.m. Jeder persönliche Grund hat mit Sicherheit seine Berechtigung und nur der Betroffene selbst wird die Wichtigkeit ausreichend genau einschätzen können. Trotzdem sind da m.E. ein paar zusätzliche Gedanken angebracht. - Nicht bei jedem führt die Therapie zu heftigen Nebenwirkungen und beruflichen Ausfällen. Viele gehen weiterhin ihrem Job nach und sind auch sonst während der Therapie ganz gut beieinander! Ohne den Versuch wird keiner wissen können, ob er evtl. zu dieser Gruppe gehören würde... - Einige sagen, dass es ihnen trotz langjähriger Infektion noch physisch ziemlich gut geht . Wie lange wird das ohne Therapie noch so bleiben? Das Befinden kann sich in 10 oder 20 Jahren infektionsbedingt sehr negativ verändern! Je später aber eine antivirale Therapie begonnen wird und je größer der Leberumbau bereits fortgeschritten ist – desto geringer die Heilungschancen. Wenn man sich die Liste der Spätfolgen einer Hepatitis C und die Kontraindikationen zur Therapie so ansehe, sollten einem schon Zweifel kommen, ob ein Aussitzen der Krankheit trotz guter Therapiemöglichkeiten der richtige Weg ist:
Spätfolgen der Hepatitis C... (Zitat aus der Hepatitis-C Leitlinie)
- Die chronische HCV Infektion führt in der Mehrzahl aller Fälle zu einer langsam progredienten chronischen Hepatitis, reduziert die Lebensqualität und ist mit einer erhöhten Mortalität assoziiert
- Eine individuelle Prognoseabschätzung ist aufgrund der variablen Krankheitsprogression in Frühstadien nicht möglich.
- Bei fortgeschrittener Fibrose/kompensierter Cirrhose (Stadium F3/F4 nach Scheuer) liegt das 5-Jahresüberleben bei ca. 80-90% (A). Das HCC stellt in diesen Stadien die häufigste Komplikation dar
Strikte Kontraindikationen zur Therapie (Auswahl): (Wenn also eine dieser Krankheiten bei Dir zukünftig dazukommt, ist i.d.R. der Zug für eine Hepatitis- C-Therapie abgefahren....) - schwere Zytopenien - Malignom mit ungünstiger Prognose - schwerwiegende/symptomatische kardio-pulmonale Erkrankungen - schwere aktive Autoimmunerkrankungen - unbehandelte schwere psychiatrische Erkrankung - akute Suizidalität -schwere akute und chronische neurologische Erkrankungen
Das oben genannte sollte jeder wissen, dem eine wirklich bewusste Entscheidung Pro/Kontra Therapie wichtig ist...
Wer also ggf. daran zweifelt, ob er die Therapie ertragen kann - kann sich auch andersherum fragen, ob er glaubt die Spätfolgen ertragen zu können...


